„Ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit“

Die Kurpark Residenz in Haffkrug beschäftigt die 77-jährige examinierte Krankenschwester seit vier Jahren.

Ein Artikel von Christina Düvell-Veen.

Auch Rolf Kluge (74), der seit zwölf Jahren in Haffkrug lebt, freut sich immer, wenn er Stefani Portmann (77) in ihrer stets farbenfrohen Arbeitskleidung und mit dem ansteckenden Lachen sieht. © Christina Düvell-Veen

Haffkrug. Stefani Portmann versprüht Magie. Wenn die Scharbeutzerin ins Zimmer kommt, zaubert sie ein Lächeln auf die Gesichter der Bewohner. Wie schafft sie das? Die 77-Jährige lacht selber gerne und viel. „Ich versuche, meine eigene Fröhlichkeit weiterzugeben”, verrät die examinierte Krankenschwester.

Seit Dezember 2011 arbeitet sie in der Kurpark-Residenz in Haffkrug. Dort ist sie mit Abstand die älteste Mitarbeiterin im Team.

„Wir können ihre Anstellung mit gutem Gewissen verantworten, weil Frau Portmann agil und geistig rege ist“, sagt Geschäftsführer Jürgen Plötzner, der mit seinen 48 Lebensjahren locker der Sohn der engagierten Mitarbeiterin sein könnte.

Erstmals betrat Stefani Portmann die Kurpark-Residenz, als sie ihren schwerkranken Ehemann Klaus dorthin begleitete. Zu Hause konnte sie ihn nicht mehr pflegen. Fünf Jahre lang hatte sie ihn Tag und Nacht betreut. Seinetwegen war sie im Alter von 62 Jahren 1999 auch in Rente gegangen. Im April 2011 starb ihr Mann in Haffkrug.

Im Juli desselben Jahres erkundigte sich Stefani Portmann in der Senioren-Residenz: „Darf ich hier ehrenamtlich arbeiten?” Diese Frage beantworteten die Verantwortlichen natürlich sofort mit „Ja”.

Bald aber merkten sie, dass das Engagement von Stefani Portmann weit über das freiwillige Handeln hinausging. Ihre Chefs wollten das be- und entlohnen.

Zunächst arbeitete sie auf 400-Euro-Basis, später bekam sie einen anderen Arbeitsvertrag und ist jetzt mit 80 Stunden im Monat dort beschäftigt. „Sie nimmt hier keiner Jüngeren einen Arbeitsplatz weg“, betont Plötzner. Im Gegenteil: Auch in Haffkrug herrscht ein Pflegekräftemangel. So werden derzeit vier Pflegefachkräfte ausgebildet, einige weitere Lehrstellen sind gar nicht besetzt.

Stefani Portmann ist fest im Dienstplan integriert, freut sich aber auch, wenn sie außer der Reihe im Krankheitsfall von anderen einmal einspringen kann. „Ich bin gerne hier. Und wenn ich umfalle, dann falle ich glücklich um.”

Vor ihrem Renteneintritt war sie im Klinikum Neustadt an verantwortlicher Stelle tätig. Sie saß hauptsächlich am Schreibtisch und assistierte bei Ärztevisiten, übte also eher eine kontrollierende Funktion aus. In Haffkrug hat sie es jetzt direkter mit Menschen, mit deren Freuden oder Sorgen, zu tun. Sie hat mittlerweile mehrere Fortbildungen absolviert, lässt sich immer wieder auch von jüngeren Kollegen etwas zeigen oder erklären.

„Schwere grundpflegerische Tätigkeiten brauche ich aber nicht mehr zu erledigen“, so Stefani Portmann. Dafür kann sie sich Zeit für Gespräche mit den Bewohnern nehmen: „Wenn sie zum Beispiel über den Krieg erzählen, kann ich in das Gespräch mit einsteigen und kann von meinen eigenen Erfahrungen berichten.“ Sie schildert dann die Ereignisse, als sie mit ihrer Mutter und vier Geschwistern den Bombenangriff auf Halle in einer Höhle überlebt hat.

Überhaupt schöpft sie täglich aus ihrem reichhaltigen Schatz an Lebenserfahrung. Mit Sportinteressierten kann sie über ihre eigenen Erlebnisse als Spitzensportlerin mit mehreren Landesmeistertiteln in Sachsen-Anhalt sprechen, mit begeisterten Großeltern über die eigenen Kinder Christian (51) und Kathrin (49) sowie über die fünf in Hamburg lebenden Enkelkinder.

„Ich bin hier überhaupt nicht im Stress und ich gehe, wie mein ganzes Leben lang, jeden Tag gerne zur Arbeit“, blickt sie auf ihre Berufstätigkeit zurück und lacht dabei wieder einmal herzlich.

Eine positive Lebenseinstellung ist das eine, eine gute Gesundheit das andere wichtige Element für das erfüllte Leben der Stefani Portmann. Auch heute noch fährt sie wöchentlich etwa 100 Kilometer Fahrrad, sie besucht Sauna und Fitness-Studio, und sie macht Yoga. Außerdem schwimmt sie selbst in diesen Wochen frühmorgens noch in der Ostsee. Das sicherlich auch am kommenden Montag(28.09.15), wenn sie ihren 78. Geburtstag feiert.

„Wenn die Bewohner
über den Krieg erzählen,
kann ich in das Gespräch
mit einsteigen.“


Stefani Portmann, 77 Jahre alt

© 2015 Christina Düvell-Veen

 

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